Home

 
Reply to this topicStart new topic
> Buchprojekt, Trainingswahn? Oder Lustprinzip?
servuszusammen
Beitrag 26.03.2007 - 13:49
Beitrag #1
Wertung: 0
Newbie
*
Gruppe: Members
Beiträge: 1

Finde Beiträge Beiträge dieses Mitglieds finden




http://equipeheiner.twoday.net/ - dieses Weblog begleitet die Entwicklung des Rennrad-Buches "Ganz großer Sport", herausgegeben vom Darmstädter Velopedalier- und Debattierklub Equipe Heiner. THEMEN? Gibt es viele. Was ist mit den Rennradlertypen: dem Lutscher, dem Heizer, dem Gockel, dem Rouleur? Wie sollen sich Radler grüßen unterwegs? Was hat man mit Autofahrern erlebt? Wie irre ist der Trainingswahn? Warum sind so wenige Frauen mit dem Rennrad unterwegs? Was überhaupt ist der Zauber des Rennradfahrens? Und wie und warum quälen wir uns die Berge hoch?

Veröffentlicht werden ausgewählte Texte. die bereits im Buch erschienen sind, aber auch Entwürfe kommender Themen, zu denen wir Stimmen der Leser erhoffen, IDEEN, Meinungen, ANEKDOTEN vor allem. Der Grundton des Buches ist heiter, was auch sonst, denn ernstzunehmen ist nicht viel, was den Sport betrifft. Und so soll sich das Buch durch das Weblog stetig entwickeln, immer in Bewegung bleiben, wie sich das für sein Thema, das Rennradfahren, gehört. Möglich wird dies durch ein neues Verlagskonzept (www.lulu.com), das es erlaubt, ein Buch im Web zu parken und es dort jederzeit zu bearbeiten, zu erweitern. Es kann, ebenso zu jeder Zeit, in der jeweils aktuellen Version gedruckt werden, und dies ohne jede Mengenvorgabe. Den Anfang macht als erster Schwerpunkt das Thema "Training - zwischen Lust und Wahn."

EIN PAAR GEDANKEN DAZU:

In der ambitionierten, aber immer ein wenig zu steifen und ernsthaften Radler-Zeitschrift tour ist aus Versehen eine kleine Debatte entstanden. Es geht darum, was um alles in der Welt ein Hobbyfahrer mit all den Trainingsplänen soll, die Postillen wie die tour ihm permanent aufschwätzen. Darf der Radler nicht einfach nur radeln, einfach so, ohne GA 1 und Intervalle, ohne Laktatmessung und Ergometertests? Das Lustprinzip steht, wie es in einem Leserbrief heißt, gegen das "Leichter-Neuer-Schneller-Prinzip". Was meint ihr dazu? Hier ein paar GEDANKEN:


Trainieren. Rennradfahrer tun das. Rennradfahrer müssen das, denn Rennradfahrer können nicht einfach so Fahrradfahren. Einfach so aufs Rennrad steigen und zum Spaß durch die Gegend sausen, das geht nicht. Und deshalb braucht der Rennradfahrer auch keine Landkarte, sondern er braucht einen Trainingsplan. Bataillone von Zeitschriften unterhalten damit ihre Redaktion. Wer noch nie einen Trainingsplaner der Fachzeitschrift tour gesehen hat, hat nur einen unbestimmten Begriff dessen, was man Irrsinn nennt. Der tour-Trainingsplaner erscheint zu Beginn des Jahres und schreibt dem Rennradfahrer für jeden einzelnen Tag des Frühjahres ein Trainingsprogramm vor. Grundlagenausdauertraining (GA) 1 und 2, Intervalltraining, Kraftausdauer. Und, das ist das allerirrsinnigste, es soll tatsächlich eine ganze Menge Menschen geben, die sich dem Diktat dieses und ähnlicher Trainingspläne beugen.

Der Rennradler fährt also nicht, er übt zu fahren, er trainiert. Was die tour propagiert, ist genau das, was Joseph von Westphalen schon lange befürchtet hatte, dass nämlich das Fahrrad mittlerweile für einen fahrbaren Heimtrainer gehalten wird.

Völlig ausgeschlossen, geradezu undenkbar, ist, dass einer sein Rennrad einfach so aus dem Keller holt, sich daraufsetzt und losradelt. Das würde womöglich Spaß machen, aber keinen Sinn. Denn der Sinn des Rennradfahrens, wie ihn tour und Konsorten verkaufen, ist: Training - und daraus ergibt sich der Rest. Denn wer den Sinn des Sports darin sieht, immer schneller zu werden, der muss nicht auch immer mehr trainieren, sondern der braucht auch alle Dinge, die angeblich schneller machen: Damit füllt die tour den Rest des Heftchens: Laufräder, Carbonrahmen, Powerriegel.


Was meint ihr dazu??? Wir sind gespannt auf eure Kommentare, Ideen, Anekdoten, Meinungen !!!
Go to the top of the page
 
+Quote Post
Martin57
Beitrag 08.01.2010 - 11:51
Beitrag #2
Wertung: 0
Newbie
*
Gruppe: Members
Beiträge: 1

Finde Beiträge Beiträge dieses Mitglieds finden




Hallo!

Bin 100%ig deiner Meinung. Natürlich sollte man mit etwas "Hirn" trainieren, einfaches Drauf-los-radeln im Bereich knapp über der anaeroben Schwelle ist sicher auf Dauer nicht ratsam. Aber das merkt man eh von selbst, dafür braucht´s keinen Trainingsplan. Und bei vielen Frezeitradlern läßt die Freude am Radfahren irgendwann nach. Nämlich dann, wenn sie feststellen, dass sie durch konsequentes Training schneller geworden sind - sie wissen nur nicht wozu! Trainieren kann nämlich nie Selbstzweck sein, sondern man trainiert auf etwas hin, zB einen Marathon, einen Alpencross oder einfach eine 350km-Tour. Ich selbst fahre zwar gern mit Pulsmesser, auch bei meiner täglichen Fahrt ins Büro (Hinfahrt ca 15km, Rückfahrt meist etwas ausgebaut, bis 40km ). Derzeit allerdings nicht, da es im Jänner halt morgends und abends zu dunkel zum Ablesen ist. Meine schönsten Radtouren waren immer ohne Stoppuhr, so eine Fahrt über Innsbruck und Toblach nach Cavallino zum Zeltplatz, wo meine Familie mit dem Auto schon wartete. Stressfreie 360km in 18 Stunden, mit dem alten Tourenrad, da ich damals noch keine ausreichende RR-Beleuchtung hatte. Oder die Zirlerberg - Ehrwald - Namloser Tal- Hantennjoch- Runde, wo ich das Rennrad über eine geschlossene Schneedecke über das noch gesperrte Hantennjoch trug, um dann über Imst heimzuradeln. Oder der Tag nach dem MTB-Marathon in Riva 2009, wo ich mit dem Fully einfach die 250km nach Hause über Etsch- und Eisacktalradweg heimgeradelt bin. Für die Anfahrt habe ich übrigens den Zug benutzt und meiner Familie zuhause das Auto überlassen. Oder der Tag nach dem Alpenbrevet in Meiringen, wo ich die Strecken Meiningen -Brünigpass-Luzern sowie - nach kurzer Zugfahrt Sargans-Bludenz-Bielerhöhe - heim ( insgesamt 280km, der Marathon am Vortag (mittlere Runde) hatte 172km und 5.300hm) mit dem Fahrrad zurücklegte. Dies hat mich schnell darüber hinweggetröstet, dass ich beim Marathon das Zeitlimit für die lange Runde nicht geschafft hatte und mich daher nicht an 7000hm versuchen konnte. Mittlerweile überlege ich aber, die Tour über Grimsel, Nufenen,Lukmanier, Oberalp- und Sustenpass ohne Marathonstress in Angriff zu nehmen. Dazu würde ich mein "Winterrad", ein umgebautes TREK 990 Mountainbike mit Kotflügel, Slicks, Nabendynamo und 40Lux-LED-Beleuchtung verwenden. Da das Ding absolut nachttauglich ist, könnte ich sehr früh starten und hätte keinerlei Zeitstress. Oder ich fahre mit dem Rennrad und nehme meine neu erstande Batteriebeleuchtung - Sigma Powerled Black, 90 Lux. Auch der Ötztaler, an dem ich im Laufe von 20Jahren 7mal teilgenommen habe, reizt mich heute nicht mehr. Ein Starterfeld von 4000 Teilnehmern, das geschlossen mit 50km/h durchs Ötztal donnert, Abstand zum Vordermann gerade mal ein halber Meter. Nicht auszudenken, wenn doch einmal einer im Feld stürzen würde. Staus bei der Auffahrt zum Kühtai etc. Ich werde die Tour noch öfter fahren, aber allein, mit einem kleinen Rucksack mit Verpflegung - es geht auch ohne Labestationen. Denn der Sinn und Zweck vom Rennradfahren liegt im Tourenfahren, wobei es gerade das Rennrad gestattet, ausgedehnte Runden direkt von zuhause aus zu fahren, ohne Auto und ohne großartige logistische Überlegungen. Und nicht im Trainieren als Selbstzweck.
Go to the top of the page
 
+Quote Post

Reply to this topicStart new topic

 



Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 09.09.10 - 06:37